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Die Entdeckung der Langsamkeit

Heute bin ich einer der glücklichsten Menschen der Welt, denn ich habe 3 Dinge gelernt: Das Leben ist schön, genieße das was Du hast und “mach mal langsam”. Aber von Vorne.

Heute Morgen 5:30 Uhr aufgestanden und wie immer von meiner Frau und meiner kleinen Tochter verabschiedet. Meine Tochter sagte mir dann: “Papa, fängst Du mir eine Forelle?”, gab mir ein Küsschen und kuschelte sich wieder in ihre Decke.Ich musste die ganze Fahrt an den Teich daran denken und ich war einfach nur glücklich so eine Familie zu haben.

An der Fischzucht Heydenhahn in Weinbach um 7 Uhr angekommen staunte ich nicht schlecht, dass kein Angler zu sehen war. Meine Angelkollegen waren heute offensichtlich wasserscheu. Zum Glück kam ich gerade noch rechtzeitig, dass der Besitzer Thomas Brenneis mir das Tor aufsperren konnte. Und da stand ich nun: Alleine an meinem Lieblingsteich, bestes Angelwetter, glasklares Wasser und kein Angler weit und breit.

Ich dachte: Ist denn schon Weihnachten? Ok, konnte man ja die letzten Tage denken, bei dem Schnee der nochmals runterkam. Ich wähnte mich im ersten Moment im Himmel, aber dann kam die Ernüchterung: Spiegelblanke Oberfläche, kein Fisch sprang. Mein Gott: Ganz schön viel Wasser für mich alleine. Und keiner da, dem ich eine erfolgreiche Methode abschauen konnte.
Ok, dann mal ran. Heute wollte ich sowieso neue Wege beschreiten und einfach nur Tackle und Methoden ausprobieren. Perfekter Zeitpunkt und Ort. Erstes Tackle montiert: Durchlaufblinker von Paladin. Ich wollte heute testen, wie die sich im Wasser verhalten, um mir eine Meinung zu bilden, ob wir die Produkte in unseren Onlineshop aufnehmen.

An der Rute montiert und raus damit. Pink / schwarz, 4er Vanfook Haken. Erster Wurf und gleich Biss. Wow, was ein Start. Nochmal: Ist denn schon Weihnachten? Leider ist die Forelle nicht kleben geblieben. Nach mehreren Würfen und Fehlbissen die Frage: Was mache ich falsch?

Ich kurble einfach zu schnell!

Und mal ehrlich: machen wir das nicht irgendwie Alle? Wir beschäftigen uns mit Übersetzungen von Rollen und feilschen um jeden Zentimeter Schnureinzug. Aber trotzdem kurbeln wir immer gleich schnell bzw. zu schnell die Köder ein. Nachdem ich meine Einholgeschwindigkeit angepasst habe, konnte ich die ersten Fische fangen. Auf in Zeitlupe eingeholte Durchlaufblinker konnte ich 3 Forellen verhaften.

Mir persönlich gefallen die Paladin Durchlaufblinker (hier: 5g) sehr gut. Sie sind leichter und flacher als die Praesten bei etwa gleicher Größe, fliegen aber etwas unbeständiger. Aber wenn man sich verinnerlicht, dass da ein Weidenblatt mit viel Fläche, wenig Gewicht und nicht gerade aerodynamischer Form in Richtung Fisch fliegt, verhalten sie sich wiederum sehr gut. Der Lauf ist bei sehr langsamer Führung absolut verführerisch. Für mich eine absolute Alternative zu Spoons. Ich denke wir werden Sie ins Programm aufnehmen.

Ich fing noch 4 Forellen auf unsere Spoons und hatte unzählige Fehlbisse auf Gummi. Gummi war heute nicht so der Bringer, wobei das mein Spezi Waldemar natürlich anders sehen würde (bei ihm geht Gummi immer). Gegen 12.30 Uhr habe ich die Segel gestrichen.

Das Ergebnis

7 Fische auf der Habenseite. Für fast 1ha Wasserfläche alleine befischt ein respektables Ergebnis wie ich finde. Die Forellen standen trotz der Wetterkapriolen der letzten Tage relativ oberflächennah (etwa 1m unter der Oberfläche), waren sehr bissig, aber es fehlte eben doch der letzte Funken Aggressivität, um am Haken hängen zu bleiben.

Zu Hause angekommen präsentierte ich meiner Familie die gefangenen Forellen. Meine Tochter war überglücklich, dass ich ihr eine Forelle gefangen hatte. 3 Stück kamen auf den Grill und wurden zur Freude Aller verspeist.
Für mich war das heute einer meiner schönsten Angeltage. Ich habe noch nie in meiner 42 jährigen Angelkarriere alleine an diesem Teich gestanden und diese herrliche Ruhe genießen dürfen. Ich wurde zudem noch mit wunderschönen Fischen belohnt.

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die das Leben lebenswert machen: Eine Geste, ein Wort, Ruhe, der Moment. Einfach mal Geschwindigkeit rausnehmen und langsam machen (sei es auch nur bei der Köderführung). Corona hat uns gezeigt, dass der Mensch nicht alles beherrschen kann, das von heute auf Morgen sich die Welt anders dreht. Genießt die Zeit zum Angeln und erfreut Euch an dem was ihr tut. Es geht nicht immer um Fische fangen (natürlich schön wenn´s dann mal klappt) oder wer das tollste und beste Tackle hat. Es geht um Selbstbestimmung und Freiheit. Gemeinschaft. Freude teilen.

Ich bin heute einfach mal nur der glücklichste Mensch der Welt.
Tight Lines
Henning

Anmerkung: Die Fische auf dem Bild wurden betäubt und durch einen Kiemenschnitt getötet, gesäubert und dann für das Bild positioniert

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